Geschichte erlebbar

Um das erste Thüringer Königreich ranken sich viele Sagen und Legenden, die von Künstlern in der Stadt aufgegriffen wurden. Entstanden sind mehrere Skulpturen, die auf dem Thüringer Sagenweg durch die Mittelalterstadt zu erleben sind. Als bespielbare Plastiken kann man so die alten Legenden neu erfahren.

Machen Sie sich doch einfach auf den Weg und entdecken die Mittelalterstadt in Thüringen unter einem völlig neuen Blickwinkel. Viel Vergnügen!

Tabula – das Tafelgleichnis der Amalaberga

Aus der Broschur „Thüringer Sagenweg“. Herausgeber: Stadt Weißensee

MICHAL SCHMIDT

Material: Tisch: Stahlbeton; Brunnenfunde: mit Kunstharz laminierter, schwarzgrau lackierter Polyurethanschaumkern

Maße: Tisch: ca. 8,0 x 2,1 m, 1,6 m Höhe; Brunnenfunde: 0,3 bis 1,2 m Höhe, Ø 0,5 bis 0,9 m Gewicht: ca. 12 t

Als nach dem Tod von König Bisinius das Königreich Thüringen im 6. Jh. unter seinen drei Söhnen aufgeteilt wurde, verdeutlichte Amalaberga, die Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich, ihrem Gatten Herminafried mit dem bildhaften Gleichnis der nur zum Teil gedeckten königlichen Tafel, dass er doch alleinigen Anspruch auf den Thüringischen Thron haben sollte und insistierte so den kriegerischen Streit gegen seine Brüder Baderich und Bertachar – der Anfang vom Ende des Thüringischen Königreiches. „Wer nur das halbe Reich sein eigen nennt, darf auch den Tisch nur halb gedeckt haben!“

Gral – der Weg des Parzival

Aus der Broschur „Thüringer Sagenweg“. Herausgeber: Stadt Weißensee

TORSTEN IHLENFELDT

Material: Edelstahl, umstehende Sitzkelche in Naturstein Maße: Ø 2,5 m, Länge ca. 2,7 m, Öffnung Ø 0,8 m, Sitzhöhen ca. 0,5 m Gewicht: 0,6 t/0,4 t

Den bedeutsamen Bezug zu Weißensee bekommt das Objekt durch den Begriff ‚Gral‘. Der am Hofe des Landgrafen von Thüringen Hermann I. anwesende Ritter und Minnesänger Wolfram von Eschenbach erweist mit dem „Parzival“ (aus dem französischen Wortsinn: Perce à Val; das Tal durchqueren) dem Thüringer Land eine Blüte selbstbewusster Literatur, in der es um menschliche Reifung und den Sinn des Lebens geht. Sein Weg, wie der Parzivals und wie unser aller Weg beschäftigt sich immer mit der aktuellen Frage nach dem Leben. Nichts bleibt, sich auszuruhen, es braucht unsere lebendige Entwicklung und Aufmerksamkeit, um zu leben.

Elisabethtor – das begehbare Buch

Aus der Broschur „Thüringer Sagenweg“. Herausgeber: Stadt Weißensee

GERNOT EGWALD EHRSAM

Material: Seeberger Sandstein, Cortenstahl Maße: Sandstein: 2,3 x 1,8 x 1,8 m, Eisentor: 1,5 x 2,5 x 0,90 m Gewicht: Sandsteine: 6 t, Eisentor: 450 kg

Auf den Vorderseiten der Sandsteinblöcke sind Klingsor und Elisabeth (im Alter von vier Jahren) sowie das Fürstenpaar mit Ludwig und Elisabeth als Kinder zu sehen. Auf diese Weise ist Geschichte sichtbar und erlebbar. Für die Wahrnehmung des Betrachters wird mit dem Werk die Auseinandersetzung mit Zeiträumen, Historie, Wirklichkeit und Sage befördert. Das Werk besteht aus dem ‚begehbaren Buch’ und demgotischen Tor aus Eisen. Der Besucher kann das eiserne Tor und das begehbare, steinerne Buch durchwandern. Dabei erlebt ersichtbar die Geschichte von der heiligen Elisabeth und dem Magier Klingsor. Zwei Sandsteinblöcke sind auf zwei Betonfundamenten aufgesockelt. Die Steine widmen sich dem Themen Mythos und Geschichte der heiligen Elisabeth im Kindesalter.

Versus – der Triumph der Kunst

Aus der Broschur „Thüringer Sagenweg“. Herausgeber: Stadt Weißensee

ERIC-ARNE SCHIECKE

Material: Seeberger Sandstein Maße: ca. 3,0 x 3,0 m x 0,7 m Höhe Gewicht: ca. 5 t

In der Hochzeit der mittelalterlich-höfischen Kultur entwickelte sich die Minne zur herausragenden Form der kulturellen Auseinandersetzung. Als bedeutender Mäzen trat zu dieser Zeit der thüringische Landgraf Hermann I. auf, der an seinem Hof die namhaftesten Dichter, Komponisten, Literaten und Philosophen seiner Zeit versammelte. Aus diesem Mäzenatentum entsprang schließlich eine der wichtigsten Quellen unserer heutigen ethisch-moralischen Wertevorstellung. Die aus Seeberger Sandstein gehauene Skulptur Versus zeigt eine überlebensgroße Laute über einem zerbrochenen Schwert, ergänzt durch ein Würfelspiel. Aus dem Minnesang ist die Laute ein vertrauter Gegenstand, dessen Schwingungen noch in der Luft liegen. Das zerbrochene Schwert ist Symbol des Überdrusses am Krieg, aber auch eine Aufforderung, Haltung zu zeigen. Versus ist damit ein Sinnbild der ständigen Auseinandersetzung und des Triumphes der Humanität über den gewalttätigen Eigennutz.