Die Stadt
Die Stadt Weißensee (rund 3.500 Einwohner) liegt im Landkreis Sömmerda und gilt als florierender, wachstumsorientierter Gewerbe- und Touristikstandort im Herzen Thüringens. Zur Stadt gehören die eingemeindeten Ortschaften Ottenhausen, Scherndorf und Waltersdorf.
Weißensee war schon immer von besonderer Bedeutung, denn der Ort lag geografisch außerordentlich günstig am Kreuzungspunkt der von Nürnberg über Erfurt nach Magdeburg verlaufenden Salz- oder Kupferstraße und der für das ludowingische Territorium wichtigen Verbindung zwischen Eisenach und der Neuenburg in Freyburg an der Unstrut.
Die Stadt Weißensee entstand um das Jahr 1200 als planvoll angelegte Neugründung der ludowingischen Landgrafen von Thüringen und zählt zu den bedeutendsten Stadtgründungen im Thüringen des 12. und 13. Jahrhunderts. Ausgangspunkt der Stadtwerdung war die gewaltige landgräfliche Burganlage, die schon bald zu einem Mittelpunkt ludowingischer Macht werden sollte. Mitsamt der Burg wuchs am Ostufer des Weißen Sees eine erste Siedlung mit der Pfarrkirche St. Nikolai. Die Gründung der eigentlichen Stadt wurde mit Rathaus und Stadtkirche St. Peter und Paul östlich der Burg vollzogen.
Schon 1174 urkundlich als „wyssense“ erwähnt, erhielt Weißensee am 14. März 1265 das Stadtrecht.
Die Stadtgründung
Kaum jemand ahnt heute etwas von der historischen Bedeutung der Thüringer Kleinstadt Weißensee im Hochmittelalter, wenn er vom romanischen Rathaus aus durch die beschauliche Altstadt geht. Dabei gibt es mit Sicherheit keinen vergleichbaren Ort, der die Thüringer Geschichte so authentisch, aber auch so sagenhaft auf sich vereinen kann – und dazu reicht ein kleiner Rundgang um den Markt von ca. 700 Metern.
Steinernes Zeugnis der höfischen Macht ist die Burg Weißensee auch Runneburg genannt. Erste Bauten sind auf die Zeit ab 1100 datiert. Seine Blüte erlebte die prachtvolle Residenz ab 1168 unter Landgräfin Jutta, Gemahlin Ludwigs des Eisernen und Schwester von Kaiser Friedrich I. Barbarossa.
Die Stadt Weißensee, von Chronisten als das „hercze zu doringen“ bezeichnet, wird planmäßig ausgebaut und hat eine enorme strategische Bedeutung für die Thüringer Fürsten. Das belegen nicht nur authentische Überlieferungen von Schlachten und Belagerungen, sondern auch die nachgewiesene Anwesenheit der Heiligen Elisabeth von Thüringen und mit Walther von der Vogelweide, Heinrich Hetzbold von Weißensee mittelalterliche Superstars des Minnesangs. Hier biete sich auch Raum für Sagen und Märchen, denn zur Zeit des Rosenwunders war Weißensee eine der zentralsten Wirkungsstätten des Johanniterordens, der für seine Betreuung von Kranken und Bedürftigen nicht umsonst Namensgeber großen Hilfsorganisationen ist.
Das romanische Rathaus
Das romanische Rathaus der Stadt Weißensee ist das älteste Rathaus Thüringens und eines der ältesten in Deutschlands. 1351 erstmals erwähnt, steht es jedoch schon wesentlich länger. Die Substanz eines repräsentativen romanischen Steinhauses um 1200, das dem Marktmeister als Wohn- und Amtssitz diente, ist heute noch zwischen den Erweiterungsbauten des 15. und 16. Jahrhunderts zu sehen.
Voraussetzung für das Werden Weißensees zur Stadt war die Verleihung eines Marktrechts. Die Nennung eines Marktmeisters für das Jahr 1198 belegt das Walten eines solchen Beamten auf dem Weißenseer Markt. Von diesem Marktmeister hat sich auch das wohl älteste Siegel einer ludowingischen Stadt in Thüringen erhalten.
Im romantischen Festsaal des Rathauses erfreuen sich seit über 400 Jahren Trauungen großer Beliebtheit.
Die Runneburg
Die Burg Weißensee – auch Runneburg genannt – gilt als einer der bedeutendsten romanischen Profanbauten Deutschlands. Ihre Entstehung geht auf das Jahr 1168 und auf die Thüringer Landgräfin Jutta zurück. An strategisch wichtiger Stelle und auf halben Wege zwischen dem westlichen Herrschaftszentrum um die Wartburg und dem östlichen Territorium um die Neuenburg bei Freyburg an der Unstrut wurde Weißensee in der Folgezeit zu einem Hauptstützpunkt landgräflicher Territorialpolitik. Der die Burgbebauung dominierende Bestandteil ist der hochmittelalterliche Komplex von fünfgeschossigem Palasturm, Palas und Ringmauer.


Die Kirche St. Nikolai
Die Kirche St. Nikolai aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zählt zu den größten romanischen Saalkirchen Thüringens. Sie diente den Fischern und Bauern der ersten städtischen Besiedlung als Gotteshaus. Nach der Reformation wurde die Kirche nur noch aushilfsweise genutzt. Der Westturm wurde um 1600 abgerissen, das Baumaterial für den Umbau der Kirche St. Peter und Paul verwendet. In den Jahren 1932 – 34 erfolgten Restaurierungsmaßnahmen unter dem preußischen Restaurator Prof. Adolf Zeller. Heute ist St. Nikolai, das von einer Mauer mit einem spätgotischen Tor begrenzt ist, Kirche der evangelischen Gemeinde.

Die Stadtkirche St. Peter und Paul
Die Stadtkirche St. Peter und Paul steht am höchsten Punkt des Ortes. Um 1180 als dreischiffige Basilika gebaut, erhielt sie im Zuge diverser Umbauten 1331 auch einen hohen gotischen Chor. Dessen gewaltigen Ausmaße lassen sich mit der aktiven Präsenz des Johanniter-Ordens in der Stadt erklären. Das Pauluspatrozinium kam erst 1463 hinzu.
1737 bekam die barocke Orgel in der Stadtkirche von Conrad Wilhelm Schäfer aus Kindelbrück ein neues Orgelwerk. Geprüft wurde die Orgel – und das ist historisch belegt – von Johann Sebastian Bach am 16. Dezember 1737. Eine weitere Prüfung durch Bach, damals „Hochfürstlicher Capellmeister von Haus aus“, erfolgte am 21. Juli 1738.
Derzeit erwacht die Stadtkirche St. Peter und Paul im mittelalterlichen Glanz wieder zu neuem Leben. Uns so ist es auch kein Wunder, dass dort die Gebeine des „Guten Conrad“ gefunden und auch wieder beigesetzt werden konnten. Conrad war der Sohn des Burgmannes Berld von Sumerd. Der 16-Jährige soll im Jahre 1303 in eine Weinberghütte entführt, dort gemartert und dann am eigenen Gürtel aufgehängt worden sein. Danach setzte eine Judenverfolgung ein, bei der etwa 125 Personen auf Schloss Weißensee ermordet wurden. Der „Gute Conrad“ wurde dann ca. 200 Jahre lang als Heiliger verehrt, ehe er wieder in Vergessenheit geriet.
Geöffnete Kulturkirche St. Peter & Paul
Die Kulturkirche St. Peter & Paul in Weißensee ist inzwischen aufwändig saniert und restauriert. Seit dem 12. Juni 2015 ist die Kirche zur Besichtigung in den Monaten April bis Oktober (im Rahmen der Öffnungszeiten des Chinesischen Gartens) geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Zudem ist auch eine Dauerausstellung, bestehend aus 24 Infotafeln, zu sehen. Der Kirchenhistoriker, Dr. Hartmut Kühne (Wandlitz) und der Archivdirektor a. D. Dr. Johannes Mötsch (Meiningen) bieten mit dieser Tafelausstellung einen Einblick in die Geschichte, die vor 700 Jahren begann und bis zur Reformation spielt.
Das Reinheitsgebot von 1434
Das erste deutsche städtische Reinheitsgebot für Bier wurde 1434 im thüringischen Weißensee festgeschrieben. Im „Stat Buch“ von 1434 entdeckte man eine „Statuta thaberna“ , die Gesetze über das Benehmen in Wirtshäusern und das Brauen von Bier zusammenfasst. Darin heißt es übertragen: „Zu dem Bier brauen soll man … nichts anderes geben als Hopfen, Malz und Wasser (‚hophin malcz und wasser‘).“
Im romanischen Rathaus von Weißensee befindet sich eine kleine Privatbrauerei. Der Besucher kann hier das „Weißenseer Ratsbräu“ in stimmigem Ambiente genießen und Wissenswertes über die Kunst des Bierbrauens erfahren.
In Erinnerung an das Reinheitsgebot zum Bierbrauen von 1434 wird seit seiner Entdeckung im Jahr 1998 alljährlich in Weißensee das „Weißenseer Bierfest“ zu Pfingsten gefeiert.
Ansprechpartner
Veit Neblung
Öffnungszeiten
Freitag und Samstag ab 18:00 Uhr
oder nach Vereinbarung
Der Landtag von 1446
Erste Thüringer Verfassung
Wilhelm III., dem Tapferen, (1424-1482) verdankt Thüringen seine erste Verfassung. Am 9. Januar 1446 verabschiedete ein eigens einberufener Landtag in Weißensee die erste Thüringer Landesordnung, die in ihrem Wesen den Status einer heute geläufigen Landesverfassung trägt.
Der Landtag von 1446 wird als Vorläufer des modernen Parlamentarismus in Thüringen und als Gründungsversammlung einer inzwischen über 550jährigen Thüringer Verfassungstradition jährlich im Januar mit dem „Tag des Tapferen“ im Historischen Rathaus Weißensee gewürdigt.
Der Johanniterorden
Gegenüber der Stadtkirche St. Peter und Paul liegt der Johanniter-Ordenshof. Die älteste existierende Urkunde, die Johanniter in Weißensee erwähnt, datiert in das Jahr 1234.
Die Ordensbrüder kümmerten sich um die Armen und Kranken und hielten die Gottesdienste in der Stadtkirche ab, die über einen Brückengang mit dem Hof verbunden war.
1539 führte Heinrich der Fromme die Reformation im Orte ein. Daraufhin verließen die Johanniter, die nach der Ordensregel katholisch bleiben mussten, den Hof. Erst 1774 erhielt wieder ein Ritter des Johanniterordens, Freiherr von Forell, den Hof zur Nutzung, die dann bis 1803 fortdauerte.
Heute befindet sich auf dem Gelände der Chinesische Garten, der tausende Besucher im Jahr anlockt.
Die Minnesänger von Weißensee
Weißensee war im Mittelalter durch seine Minnesänger berühmt. Zu ihren größten Förderern zählte Landgraf Hermann I. von Thüringen (1190 – 1217). Kein Wunder, dass Walther von der Vogelweide, der vor Weißensee seine berühmten „Meißner Sprüche“ dichtete, Hermann als „Blume Thüringens“ preist, die sogar im Schnee leuchtet.
Die historisch bezeugte Anwesenheit Hermanns I. im „castrum wiszense“ werden Burg und Stadt Weißensee zum Austragungsort mittelalterlicher Dichtung. Walther von der Vogelweide war aber nur ein bekannter Vertreter seiner Kunst. Auch Wolfram von Eschenbach, der in seinem „Willehalm“ einen Tribock erwähnt, oder Heinrich von Veldeke kann man sich in Weißensee vorstellen.
Darüber hinaus hat Weißensee selbst bekannte Minnesänger hervorgebracht. So handelt es sich bei dem „tugendhaften Schreiber“, der im Sängerkrieg erwähnt wird, um einen Ministerialen namens Heinrich von Weißensee. Ein weiterer Sänger ist Heinrich Hetzbold von Weißensee, der Burgvogt auf der Runneburg war. Hetzbold ist zwischen 1306 und 1345 mehrfach urkundlich erwähnt. Sein Name ( Hetzbold = der Hetzer, der Hetzjäger) steht mit der Jagd in Verbindung, wie eine Miniatur in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse) vor Augen führt. Ein weiterer Weißenseer Minnesänger könnte der „Düring“ gewesen sein, der ebenfalls im Codex Manesse überliefert ist.
Die sächsische Helbe
Trotz zweier Seen um Weißensee war es vor allem für die Bewohner der höher gelegenen Oberstadt schwierig, sich ausreichend mit Wasser zu versorgen. Deshalb baute man 1378-1385 ein Kanalsystem und wählte die fast 19 Kilometer lange Grabenführung so geschickt, dass der geringe Höhenunterschied von nur 15,5 Meter zwischen dem Stauwehr bei Westgreußen und der Einflussstelle in die Stadt vollständig ausgenutzt werden konnte. Hierfür musste auch ein 250 Meter langer und 16 Meter hoher Damm im Norden Weißensees aufgeschüttet werden. Wegen des minimalen Gefälles benötigt das Nass ganze 24 Stunden für die Wegstrecke.









