1217 wurde Ludwig IV., auch Ludwig der Heilige, Landgraf von Thüringen. Als Landgraf hatte er die Aufgabe, die königlichen Rechte zu sichern und die Königsgüter in Thüringen zu verwalten. Er war allen anderen Grafen in Thüringen übergeordnet. Um seinen Aufgaben nachzukommen, war Landgraf Ludwig IV. ständig mit seinem Gefolge innerhalb Thüringens unterwegs. 1221 fand die Vermählung des Landgrafen Ludwig IV. mit der vierzehnjährigen Elisabeth in der Eisenacher Georgenkirche statt. Die Tochter des ungarischen Königs kam 1211 nach Thüringen und sollte zuerst den ältesten Sohn von Landgraf Herrmann I. heiraten. Aber der kam vermutlich bei einem Jagdunfall ums Leben. Elisabeth und Ludwig führten, Berichten zufolge, eine sehr liebevolle Ehe, was bei strategischen Heiraten in dieser Zeit recht selten vorkam. Nicht nur Machtpolitik und kriegerische Aktivitäten, sondern auch fromme Taten bestimmten das Handeln Ludwigs IV. Noch mehr versuchte aber seine Frau, die Landgräfin Elisabeth – als Heilige Elisabeth von Thüringen noch heute verehrt – Armut und Hunger zu lindern. Auch sie weilte zeitweise auf der Burg in Weißensee. 1225 hielt Ludwig einen prachtvollen Hoftag mit den Bischöfen, Grafen und anderen Persönlichkeiten aus Thüringen auf der Runneburg bei Weißensee ab. Es war sein letzter Hoftag, denn Ludwig der Heilige stirbt 1227 beim Kreuzzug auf dem Weg ins heilige Land.

Wir stellen uns vor, dass Elisabeth aus der Küche der Burg Weißensee Lebensmittel in einem Korb versteckte, um sie den Kranken im Johanniterhof – 800 Meter entfernt von der Burg im geschützten Stadtgebiet von Weißensee gelegen – zu bringen. Vor dem heutigen Rathaus begegnet sie ihrem Gatten mit dem gesamten Hofstaat. Im Wissen, um das strenge Verbot, Lebensmittel aus der Burg an Arme zu verteilen, muss er sie auffordern, ihm den Inhalt ihres Korbes zu zeigen. Er hoch zu Ross und seine von ihm über alles geliebte Gattin – zu Fuß unterwegs – zeigt ihm den Korb mit erhobenen Händen. Niemand außer Ludwig kann den Inhalt des Korbes sehen. Er beginnt zu lächeln und sagt strahlend und stolz zu seiner Frau: „Ach wie zauberhaft! Es sind Rosen, so schön wie mein holdes Weib!“

Wenn es das Rosenwunder der heiligen Elisabeth tatsächlich gab, dann kann es nur in Weißensee stattgefunden haben.