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Willkommen auf der Burg Weißensee. Glaubt man der Chronik, die um 1345 im Reinhardsbrunner Kloster geschrieben wurde, habe die Thüringer Landgräfin Jutta Claricia, Gemahlin von Ludwig II. dem Eisernen und Halbschwester von Friedrich I. Barbarossa “…begunde zu buwen bey dem Wissensee eynen bowngarten und eine burgk…“. Soweit die Legende.
Ist es denkbar, dass eine Frau im Mittelalter, selbst wenn sie Landgräfin war, diese Entscheidungsbefugnis hatte? Sicherlich nicht. Burggründer – so sagt es die Historienforschung – war natürlich der Landgraf, der diesen strategisch sehr interessanten Hügel in Besitz nahm, um hier eine uneinnehmbare Festung mitten in seinem Herrschaftsgebiet zu schaffen. Die Burg liegt eine Tagesreise von der Wartburg bei Eisenach und eine Tagesreise von der Neuenburg bei Freyburg entfernt. Besser geht nicht. Aber der Graf von Beichlingen verwahrte sich dagegen, dass hier sein Besitz praktisch annektiert wurde. Zeugnisse belegen seine Klage bei einem Hoftag, der 1168 tatsächlich in Regensburg stattfand. Barbarossa, nun zwischen Pflicht und familiärer Bindung, entschied, dass der Thüringer Landgraf dafür sorgen sollte, die Bauarbeiten einzustellen. Nun zwischen Regensburg und Weißensee liegen schon einige Tagesreisen und ehe die Landgräfin eine offizielle Information zum Kaiserurteil erhielt, hatte wohl ein geheimer Eilbote zur Eile beim Bau der Burg gedrängt, so dass am Ende Tatsachen geschaffen waren, die ein Beichlinger Graf in Konfrontation mit seinen Lehnsherren nicht mehr rückgängig machen wollte.
Einen Baumgarten, wie die Reinhardsbrunner Chronik beschreibt, muss es aber gegeben haben, denn einige Urkunden aus der Herrschaftszeit der Ludowinger wurden tatsächlich im Baumgarten zu Weißensee beglaubigt. Baumgärten galten im Mittelalter als hoher Luxus. Sie brauchten Platz – den es hier reichlich gab, dienten dem Lustwandeln der Damen beim Minnegesang und ganz nebenbei auch der Versorgung der Küche mit frischem Obst und Kräutern.

