Die Burg Weißensee war eine der modernsten Neubauten seiner Zeit. Hier zeigte der Landgraf von Thüringen seinen Reichtum. Er ließ die edelsten Baumaterialien wie Marmorsäulen verbauen, aber hatte auch mit dem Palas den wohl zu dieser Zeit im weiten Umkreis größten Raum. Denn der Palas erhielt neben dem turmartigen Nord-Ostanbau ein Obergeschoss in Gestalt eines der gesamter Gebäudegrundfläche umfassenden lichtdurchfluteten Saal. Der ursprüngliche Raumeindruck muss gewaltig gewesen sein. Hier lässt sich der architektonische Anspruch reichsfürstlichen Bauens nachvollziehen.

Im Untergeschoss wurde eine Säule von außergewöhnlicher Gestalt gefunden. Regelmäßig angeordnete, stilisierte Aststümpfe zieren ihren Schaft und machen ihn zu einem Baumstamm mit zusätzlichem Weinrankenkapitel – ein extrem seltenes Motiv hochmittelalterlicher Bauplastik in Deutschland. Hinzu kommt der Bau einer Steinofen-Warmluft-Heizung, mit der Teile des Erdgeschosses erwärmt wurden. Ein seltenes Zeugnis hochadeligen Wohnkomforts dieser Zeit. Das raffinierte System der Warmluftversorgung der Burg belegt die Innovation der Thüringer schon im 12. Jahrhundert. Um 1200 begann die systematische Bebauung der Ansiedlung vor der Burg. Die klare Struktur der Stadt mit seiner Sichtachse von Burg, Rathaus und Stadtkirche St. Peter und Paul war von den mittelalterlichen Stadtplanern durchaus beabsichtigt.

Lebhaftes Zeugnis über das Leben auf der Burg Weißensee liefern Ausgrabungsfunde aus dem Burgbrunnen. Neben gezinkten Würfeln, Kerbholzfragmenten oder Spielzeug, sind es die sehr gut erhaltene Gürteltasche aus Leder, ein Haardiadem oder die aus einem Stück gedrechselte Holzkanne, die man in Form und Material auch auf colorierten Zeichnungen der Heilberger Liederhandschrift findet. Lebendiger kann man Mittelalter nicht präsentieren.

Die Burg Weißensee gehört trotz zahlreicher Umbauten späterer Zeit zu den bedeutendsten deutschen Profanbauten der Romanik.

Übrigens der Name Runneburg basiert auf der umgangssprachlichen Bezeichnung „Runde Burg“ mit Bezug auf die Grundfläche. Und Hinweise auf die sagenhafte Schlacht bei Runibergun im Jahr 531, als die Franken die Thüringer vernichtend geschlagen haben, wurden nie gefunden.