Die Stadtgründung

Kaum jemand ahnt heute etwas von der historischen Bedeutung der Thüringer Kleinstadt Weißensee im Hochmittelalter, wenn er vom romanischen Rathaus aus durch die beschauliche Altstadt geht. Dabei gibt es mit Sicherheit keinen vergleichbaren Ort, der die Thüringer Geschichte so authentisch, aber auch so sagenhaft auf sich vereinen kann – und dazu reicht ein kleiner Rundgang um den Markt von ca. 700 Metern. 

Steinernes Zeugnis der höfischen Macht ist die Burg Weißensee auch Runneburg genannt. Erste Bauten sind auf die Zeit ab 1100 datiert. Seine Blüte erlebte die prachtvolle Residenz ab 1168 unter Landgräfin Jutta, Gemahlin Ludwigs des Eisernen und Schwester von Kaiser Friedrich I.  Barbarossa.

Die Stadt Weißensee, von Chronisten als das „hercze zu doringen“ bezeichnet, wird planmäßig ausgebaut und hat eine enorme strategische Bedeutung für die Thüringer Fürsten. Das belegen nicht nur authentische Überlieferungen von Schlachten und Belagerungen, sondern auch die nachgewiesene Anwesenheit der Heiligen Elisabeth von Thüringen und mit Walther von der Vogelweide, Heinrich Hetzbold von Weißensee  mittelalterliche Superstars des Minnesangs. Hier biete sich auch Raum für Sagen und Märchen, denn zur Zeit des Rosenwunders war Weißensee eine der zentralsten Wirkungsstätten des Johanniterordens, der für seine Betreuung von Kranken und Bedürftigen nicht umsonst Namensgeber großen Hilfsorganisationen ist.

Landgräfin Jutta Claricia von Thüringen, auch Judith von Schwaben, (* um 1133/1134; † 7. Juli 1191) war eine Tochter von Friedrich II., Herzog von Schwaben, und Halbschwester von Kaiser Friedrich Barbarossa. Sie begann 1168 mit dem Bau der Burg Weißensee und der Anlage der Stadt. Ihre Grabplatte steht im Chor der Georgenkirche von Eisenach.